Stefan Häring Architekt münchen - baiern - sevilla

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Nutzung:                                            Einfamilienhaus mit Zuhaus und Nebengebäude, städtebaulich relevante Bausteine eines historischen Dorfkerns.
Ort: Trostberg, Kirchstraße (D)
Auftraggeber: Priv. Bauherr
Gebäude: Holzbau, KFW 40+

Jahresprimärenergiebedarf: 16,5 kWh/m²a (Haupthaus) 24,5 kWh/m²a (Zuaus)
Leistung: alle LPH
 
 
Suffizienz, „Was“ ?

Das Wohnhaus dient einer jungen Familie mit zwei kleinen Kindern. Gäste sollen angenehm untergebracht werden können (die Großeltern sind aktiv in die Kinderbetreuung eingebunden). Des Weiteren wird Büroraum für die selbständige Tätigkeit der Bauherren benötigt. Es besteht der Wunsch eines intensiven Bezugs zum Garten. Zukünftige Bedarfsänderungen sollen in Form von flexibel nutzbaren Grundrissen und möglicher Teilung in unabhängige Nutzungseinheiten Rechnung getragen werden.

Effizienz, „Wie“?

Das Raumprogramm wird aufgeteilt. Mit dem erhaltenen Nebengebäude entsteht so ein neues Ensemble aus drei autark nutzbaren Baukörpern mit attraktiven Zwischenräumen, Querbeziehungen, Sichtachsen und differenziertem Raumfluss zwischen Privatem und Öffentlichem.

Das zweigeschossige Haupthaus ist auf die Familie zugeschnitten. Der Zugang ist dem Dorfplatz zugewandt, dort ist die Straße am höchsten.

Das eingeschossige Zuhaus mit Büro und Gästezimmer ist strikt nach der Geometrie der Baugrenze geschnitten. Es nimmt das obere Gartenniveau auf, darunter entsteht eine offene Remise, hier kann die Wohnfläche erweitert werden. Alte Stampfbetonmauern und Geländesprünge werden eingebunden.

Im erhaltenen Nebengebäude kann eine weitere autarke Nutzungseinheit entwickelt werden.

Die Baukörper begrenzen das Grundstück nach Osten und Süden, verstellen strategisch den Blick auf die Straße und angrenzende Nachbargebäude oder rahmen attraktive Fernbezüge zur umgebenden Landschaft. Nach Befund konnte leider nur eine der monumentalen Kastanien des ehemaligen Biergarten erhalten bleiben..

Konsistenz, „Womit“?

Das EG des Haupthauses kommt ohne Wände aus, Schrankwände ersetzen Abstellräume im Keller und definieren Raumzonen. Die einläufige Treppe und ein zentraler Luftraum erweitern den Raumfluss vertikal ins OG. Die großzügige Galerie dient dem Spielen bzw. kann als Office-Bereich ausgebaut werden. Von hier sind die gleichwertigen Einzelzimmer erschlossen. Die vollverglasten Terrassen von Haupthaus und Zuhaus sind als wettergeschützte Erweiterung des Wohnraumes konzipiert, und bilden mit raumhohen Schiebeläden aus Holzlamellen einen konfigurierbaren Filter zum Garten. Ein Balkon im OG nach Westen mit Blick auf den Dorfplatz ist ebenfalls durch Holzlammelen verschließbar und dient auch zum Wäsche trocknen.

Der Holzbau ist Haus mit Lüftungsanlage und Luft-Wasser Wärmepumpe realisiert. Die PV Anlage von 10 kWp kann nach Bedarf verdoppelt werden.

Außenwände sind meist verputzt, nur die Front des Büros zum Eschenwald ist mit sägerauen Fichtenbrettern bzw. vertikalen Lamellen verkleidet. Diese Verschalung wird als Zaun entlang der Kirchstraße fortgeführt und bindet den ebenfalls grenzständigen Carport ein. Sichtbare Brettstapeldecken, bzw. Dreischichtplatten im DG sowie die raumhohen Massivholzmöbel sind Weiß lasiert. Dielenböden, Treppenstufen und Schranktüren sind aus Eiche geölt.



 
Nutzung:Umbau, Erweiterung und Umnutzung einer alten Dorfschule in Wohnungen
Ort: Braunautal 6, Berganger (D)
Auftraggeber: Priv. Bauherr
Leistung: Vorentwurf







Konzepte:

Orientierung und Ausrichtung der prinzipiellen Aufenthaltsräume: Einbindung der guten Fassaden Süd/Süd-Ost und Süd-West-West: Sonne, Berge und Garten.


EG:
- durch räumliche Verbindung des Anbaues zum Essraum/Küche übers Eck
- durch Belichtung und Belüftung der Küchenzeile durch direkten Außenbezug unter dem erstem Treppenlauf über neuem Zugang zu Heizkeller
- Freistellung der SS-W Fassade vom Bad
OG:
- Verglasung des Aufenthaltsraumes zum Treppenraum (Süden)
- großzügige Verglasungen der zwei Räume des Anbaues nach Süden und Westen, außerdem zusätzliche besonnte Balkon/Terrassenflächen möglich

Gewollte Einbindung der „historischen“ Holztreppe und dem Anbau mit Splittlevel

Sollen prinzipiell erhalten bleiben. Untermauerung im EG, Neuer Eingang zum Keller direkt vom Außenraum. Belichtung des OG über Treppe herstellen. Die Treppe ist der 2. WE zugeordnet, verleiht den Raumeinheiten auf den verschiedenen Niveaus eine gewisse Nutzungsautonomie. Der Anbau erfährt die stärkste Bestimmungsänderung wegen seiner attraktiven Südlage, guten Ausblicken und Gartenbezug für die 2. WE. Der einzige Latrinenbau, der bei der Dachsanierung proportional unglücklich unter das verlängerte Hauptdach eingebunden wurde, wird zu einem bedeutungsvollem Gebäudeteil. Das darf sich auch gestalterisch bemerkbar machen und das Gesamterscheinungsbild die gewisse Note verleihen: Geschoss hohe Verglasungen in Kombination mit Holzlattenjalosie erlaubt proportionale und materielle Bezüge zum Kontext herzustellen, geräumige Dachgeometrie, räumliche Wechselbeziehung und Lösung des 2. Rettungsweges DG.

Starker definierter Bezug der Wohnungen zum Außenraum, Garten, Ausblicken

Klare Trennung des Gartens zwischen den WE durch leichten Höhensprung und Buchenhecke, Orientierung und Öffnung zu den zugeordneten Gartenbereichen (Intimitäten bewahren) Die 2. WE bekommt Garten mit überdachter Terrasse und attraktiver SS-W Mauer, und Balkon im OG, Wintergarten und Balkon im DG.

Attraktive Proportion der Räume, Nutzungsflexibiltät.

Raumkonfigurierung durch innen liegende Nasskerne (Nebennutzungen), Freistellung der Fassaden für alle Haupträume. Zonierung der Verkehrsflächen, hierarchische Raumordnungen, fließende räumliche Beziehungen der Wohnnutzungen möglich (räumliche Kontinuität). Durch die Minimaldefinition durch feste Kerne (Zonierung und Verkehrsflächen, Autonomie der verbleibenden Räume) wird maximale Raum- und Nutzungsflexibilität erzielt.

Bewertung punktueller baulicher Eingriffe bezüglich des inneren Raumgefüges, Außenkörper sowie Kosten-Nutzungsbewertung.

Beibehaltung der wesentlichen Elemente wie Treppenhaus, Anbau, Flur im EG, Minimierung der Brandschutzmaßnahmen durch Begrenzung auf 2 WE. Die punktuellen Eingriffe sind im EG: Untermauern der Treppe für Küche, räumliche Verbindung dieses Raumes und Anbau über Ecke, Südsonne durch Verglasung des Anbauzimmers, flurseitige Erschließung des Südzimmers. Innenliegeinder Nasskern stellt Innenfassade frei. Zugang zu Keller direkt von Außen. Im OG: Südlicht über Treppenraum, innen liegender Nasskern stellt Innenfassaden frei, autonome Erschließung des Südzimmers von Treppe aus. Verglasung und Balkon zum Garten des Anbauzimmers. Im DG: Wintergarten und Sonnenterrasse in Höhe mit Fernsicht, Anbindung des DG durch neue Dachgeometrie des Anbaues für 2. Rettungsweg, der dadurch räumlich aufgewertete wird. Außenkörper: neue Wertigkeit durch Überformen des Anbaues. Kosten: Durch kleinste Eingriffe, maximale Effekte zu erzielen, das ist konzeptuell eine Optimierung der Investition(en).

Nutzung:Wohn- und Geschäftshaus 134+13 Einheiten
Ort: C/Felipe II 17, 2º-2, Sevilla (S)
Auftraggeber: Hauseigentümergemeinschaft
Leistung: Technische Gesamtaufnahme und Bewertung ITE (Gebäude Tüv), Energetische Zertifizierung, Umfassendes Sanierungskonzept, Durchführung Sanierung mit Refurbishment Erschließungsflächen, Fassaden-/ Dachsanierung, Energetische Sanierung, Erneuerung wesentlicher Installationen, technisches Gebäudemanagement










Ausgangssituation und Vorgeschichte:

Gebäude aus dem Jahr 1960 mit 134 Wohnungen und 14 Geschäften im Stadtviertel El Porvenir, elegantes, zentrales Stadtviertel von Sevilla. Hoher Eigennutzungsanteil der Wohnungen von ca. 70%. Das Gebäude leidet an typischen Alterserscheinungen, chronischer Unterhaltsmangel führt immer häufiger zu dringlichen Reparaturen und punktuell ausgeführten Sanierungsaktionen. Diese punktuellen Reparaturen behoben zwar in der Vergangenheit immer ein konkretes Problem, führten aber im Ergebnis zu wachsender Unzufriedenheit der Bewohner und Besitzer. So wurden nach Ablösen einzelner Verkleidungsplatten, sämtliche Balkone Abbruch saniert. Die Gefährdung für Passanten war dadurch effektiv beseitigt aber die handgemalten Keramiken gingen verloren. Dieser massiv empfundene Identitätsverlust, die enorme finanzielle Belastung durch langjährige Extrazahlungen verbunden mit der Vorahnung, das die Kette unaufschiebbarer Eingriffe in Zukunft nicht abreißen würde, führten zu einem ersten Bewusstseinswandel und ist Ausgangspunkt unserer Intervention.



Definition des Auftrages, Einbindung aller Beteiligten, wesentliche Etappenziele

Zustimmung fand das Denkmodell, das Gebäude als wirtschaftendes Unternehmen zu betrachten. Die Besitzer und Bewohner als Eigner und Betreiber wurden sich schnell über generelle Unternehmensziele einig: Langfristig sollte der Wert des Gebäudes erhalten bzw. gesteigert und der Betrieb optimal gestaltet werden. Wert verstanden sowohl als monetär messbare Größe als auch als weiche Faktoren die als Lebensqualität empfunden wurden. Die Wertediskussion im Zusammenhang mit Wohnen, Behausung und Gemeinschaft wurde wichtiger Bestandteil bei der Definition von Zielen. Auf dieser Grundlage begann die Umsetzung.

Als Architekten bearbeiteten wir die technischen und gestalterischen Aspekte. Es stellte sich schnell heraus, das ca. 80% aller Ausgaben im wesentlichen von der Optimierung dieser Bereiche abhingen. Räumliche und gestalterische Aspekte wurden zu wichtigen Faktoren bei der Belebung von Gemeinschaft und Identität. Wichtige Unterpunkte dabei waren:



1. Genaue Differenzierung und Beschreibung aller Aufgabenbereiche, Verantwortung, Kompetenzen und notwendigen Qualifikationen der Beteiligten.

Dieser Teil führt zur Einrichtung von verschiedenen Arbeitsgruppen, die sich auf konkrete Themen konzentrieren, gebildet aus interessierten Eigentümern und der Hausverwaltung. Bei Bedarf wird zusätzlich externe professionelle Hilfe zugeschaltet. Das generiert eine sehr engagierte und kompetente Beteiligung der Bewohner und führt schließlich zur Umgestaltung der Hausverwaltung. Ein wesentliches Ergebnis dieses Prozesses ist die Etablierung eines Dokumentationsstandards mit dem Ziel, durch Transparenz die Grundlage für Interesse, Beteiligung, Vertrauen und Qualitätskontrolle herzustellen.



2. Analyse Einnahmen /Ausgaben über die letzten 10 Jahre. Ausgabenkontrolle.

Die Buchführung wird neu strukturiert, Einnahmen den Ausgaben gegenübergestellt und Kostengruppen so definiert, dass sie als Kontrollinstrumente nützlich werden. Besonderer Augenmerk wird darauf gelegt, welche Ausgaben etwas zum Erhalt oder Steigerung des Wertes beiträgt.
Ausgabenkontrolle:
• Überprüfen sämtlicher Verträge, Leistungsspektrum und aktueller Marktspiegel.
• Vergabe von Arbeiten generell mit Ausschreibung, um Vergleichbarkeit herzustellen.
• Schadensbehebungen und Reparaturen werden von einem hauseigenen Techniker geleitet.


3. Investitionen die Unterhaltskosten verringern oder mehr Einnahmen generieren werden konsequent vorgezogen:.

• Einsparung durch: LED + Regeltechnik, Tropfbewässerung und exakte Kostenumlage.
• Aufgelassene Hausmeisterwohnungen werden saniert und vermietet.
• Da das marode Abwassersystem hohe Unterhaltskosten zur Folge hatte, bekam dessen Sanierung erste Priorität. Unter Berücksichtigung der technischen Ausstattung der Reinigungsfirmen wurden alle Revisionsstellen in den Außenbereich verlagert und deren Zahl minimiert, was die laufenden Kosten radikal verringerte.
• Ein neuer Arbeitsplan und gezielte Fortbildungsmaßnahmen erweitern das Einsatzgebiet des Hausmeisters, Leistungen von Fremdfirmen werden reduziert.






4. Einfach Maßnahmen mit begrenztem Kostenaufwand aber großem Effekt auf die wahrgenommene Wohnqualität

• Umbau der alten Pförtneranlagen zu Fahrradräumen.
• Sitzbänke im Eingangsbereich.
• Farbliche Neugestaltung aller Verkehrsflächen + Beleuchtungskonzept.
• Erste Schritte, die Außenraumgestaltung zu verbessern, durch neue Pflanzungen.
• Intensivreinigung verschiedenster Gebäudeelemente wie Böden, Sockel, Außenelemente.

5. Potenzierung von gemeinschaftlichen Aktivitäten

• Jährliche Ernteaktionen der gemeinschaftlichen Orangenbäume und Einkochen von Orangenmarmelade.
• Frühlingsfest mit Maikreuze und Sommerfest mit Hofkino.
• Die verbesserten Grünanlagen locken Kinder und Eltern am Nachmittag an.
Bei all diesen Aktivitäten wird ersichtlich, dass die engen Wege und gesamte Außenraumgestaltung den Aufenthalt und die gemeinsame Benutzung beeinträchtigen.





6. Erste sichtbare Erfolge, die Hausgemeinschaft feiert sich selbst

Die Sanierung des Abwassersystems wurde erfolgreich abgeschlossen und rein aus Einsparmaßnahmen finanziert, die hohe Qualität der ersten Änderungen sind präsent und es macht sich neuer Optimismus breit. Die Hausgemeinschaft beschließt, die erste große Investition mit hoher Symbolwirkung:

Die Neugestaltung der Außenanlagen mit hochwertigen Materialien und hohem gestalterischem Anspruch stellt einen klaren Wendepunkt dar. Anstelle von Notreparaturen, wird jetzt gezielt in die nachhaltige Veränderung der Anlage investiert:
• Erweiterung der Zuwege zu einem Platzbereich, der mit langen bankartigen Hochparterren zum Verweilen, Spielen und dem spontanen Austausch einlädt.
• Raum für Gemeinschaftsaktivitäten und Feste.
• Attraktive repräsentative Außenwirkung durch hochwertigen Materialien, feines Design mit frischer und farbenprächtige Vegetation.
• barrierefreier Zugang..



7. Abgestimmter Sanierungsplan nach gründlicher Gebäudeevaluierung: jede bauliche Maßnahme beinhaltet eine Chance, die Wertigkeit nachhaltig zu erhöhen

• Sanierung des Sichtmauerwerkes: Behutsames restaurieren des Sichtmauerwerkes. Im gleichen Zuge sollen alle Klimaanlagen auf das Dach und die Verkabelungen nach Innen verlegt werden. Ein neuer Gestaltungsplan regelt die Nutzung von Fassade und Dach.
• Erneuerung wesentlicher Installationen: Elektro- und Kommunikationsleitungen werden nach innen Verlegt und dem Stand der Technik angepasst. Vorinstallationen für Kühlflüssigkeiten sollen das Verlegen der Anlagen auf das Dach vereinfachen, innere Kondenswasserableitungen, notfalls mit Pumpen, werden von der Hausgemeinschaft vorgeschrieben.
• Sanieren des Traufgesimses: Ausbildung von Tropfkanten soll zukünftige Verschmutzung vermeiden.
• Überdachung der Eingangsbereiche: mehr Komfort und Sicherheit bei Regen.
• Energetische Sanierung als Hohlraumdämmung im Zuge der Fassadenarbeiten.
• Zentrale Solarthermieanlage zur Warmwasserbereitung.
• Regenwassersammlung zur Bewässerung durch Nutzung obsoleter Wassertanks.
• Begrünung des Daches und Ausstattung als gemeinschaftliche Terrasse mit Panoramablick..











Nutzung:Mehrfamilienhäuser a 10 Wohneinheiten, Entwicklung von Prototypen zum seriellen Einsatz im Quartier
Ort: Stadtquartier San José de Obrero, Sevilla (S)
Auftraggeber: Hauseigentümergemeinschaft
Leistung: Entwurf bis Fertigstellung
Mitarbeit: Juan A. del Toro Salas, Pedro Rodríguez González (arquitecto técnico)
Statik: Fco J. Martínez Begara







Vorgefundene Stadtlandschaft:


Das zentrumsnahe Quartier aus den 50er Jahren besteht aus einer fünfstöckigen Zeilenbebauung. Kompakte, innen liegende Treppen erschließen immer zwei Wohnungen pro Stockwerk. Ein offenes Vestibül im Erdgeschoss ist auf ganzer Breite bis zur Treppe durchgesteckt, und stellt die wohlproportionierte Übergangszone zur Straße da. Hier findet Gemeinschaft und Kommunikation zwischen den Nachbarn und zum öffentlichem Raum statt. Die Treppen wurden ursprünglich durch innen liegende Fenster über die Waschräumen belichtet und belüftet, sind aber seit dem Einbau moderner Bäder weitgehend verloren gegangen. Der letzte Treppenlauf ist durch den Technikraum für die Stromzähler überbaut und endet in Dunkelheit. Eine winzige Luke stellt einen Wartungszugang zum Dach her, ist aber nicht zur Lüftung und Belichtung geeignet. Die Orangen- und Zitronenbäume in den Hinterhöfen kontrastieren mit Schatten, Frische, intensiven Farben und Aromen die Betriebsamkeit der Straßenseite. Das Quartier ist beliebt bei seinen Bewohnern, viele aus der ersten Generation sind jetzt in fortgeschrittenem Alter und teilen mit den jungen Familien das vitale Bedürfnis einer barrierefreien Erschließung ihrer Wohnungen.









Geometrische Lösung:

Die Entwicklung des neuen Erschießungskerns stellt sich in geometrischer und normativer Hinsicht als Grenzgang heraus. Nur durch den Nachweis, dass die neue kompensierte Treppe die Ausgangssituation auch in brandschutztechnischer Hinsicht nach empirischen Kriterien zu verbessern vermag, überzeugt schließlich die Genehmigungsbehörde. Die notwendige Überfahrt des neuen Aufzuges wird als Dachaufbau über die ganze Länge des Treppenraumes erweitert, nachdem die Stromzähler mit allen anderen technischen Anlagen im Erdgeschoss konzentriert wurden. Der Raum gewinnt an Höhe und wird jetzt natürlich belichtet, belüftet und sorgt im Brandfall für eine effektive Entrauchung. Die Ecken des Treppenraumes werden für die vertikale Leitungsführung abgekoffert.




Konstruktive Umsetzung::

Die neue Treppe soll den Lasteneintrag in die massiven Wände nicht erhöhen, auf maximale Kopffreiheit achten, d.h. möglichst wenig konstruktiven Unterbau aufweisen und einen schnellen Einbau bei laufendem Betrieb ermöglichen, ohne das enge Kostenbudget zu gefährden. Aus diesen Anforderungen erklärt sich die einfache Grundstruktur aus geradlinigen seitlichen Standardprofilen, die sich durch wenige Knicke an die Laufgeometrie anschmiegen. Rechteckige, parallel angeordnete Rohrprofile passen sich an die unterschiedliche Höhenentwicklung der seitlichen Auflager an. Sie sind als verlorene Schalung konzipiert und mit einer hochwertigen Einbrennlackierung versehen. Die intensiven Farben der Untersichten wurden unter den Nachbarn ausgehandelt, dienen der Identifizierung und schreiben sich als abstraktes Muster in die urbane Matrix des Quartiers ein.